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Christoph Nichelmann, „Die Melodie“ (1755) – Kapitel 2

[Ediert von Christoph Hust und Clarissa Thiem]

[2] Das II. Capitel.

Es giebt eine ursprüngliche Ordnung der auf einander folgenden Töne.

Die allerangenehmsten Größen, diejenigen, deren Verhältniß am leichtesten, und am geschwindesten in die Sinne fällt, sind schon in den sechs ersten Stufen der arithmetischen Fortschreitung enthalten.

So läßt ein Klang, in seine Hälfte, oder in zween gleiche Theile getheilet, gegen die ganze oder die freye Saite, die Octav in der Ration 1. zu 2. von sich hören.

Werden drey gleiche Theile eben dieser Saite gegen zween derselben gehalten, so kömmt das übertheilige Verhältniß der Quinte, in den Zahlen, 2. zu 3. hervor.

Fähret man in dieser Theilung also fort, daß vier gleiche Theile eben dieser Saite mit dreyen verglichen werden, so entsteht das Verhältniß der Quarte, in den Zahlen 3. zu 4.

Das Verhältniß der größeren Terzie, kömmt mittelst der Theilung in den Zahlen 4. zu 5. zum Vorschein; so wie endlich das Verhältniß der kleineren Terzie, durch die Vergleichung sechs gleicher Theile gegen fünfe erzeuget wird.

Die Ordnung dieser hinter einander folgenden Töne, ist nicht von ohngefähr gemacht, oder willkührlich eingesetzt, sondern sie rühret unmittelbar von dem Schöpfer der Natur selbst her.

Ein jeder unabgetheilter klingender Cörper, insbesondere aber die Trompete, lässet die, in den nach einander gesetzten sechs ersten oder ihnen ähnlichen Zahlen ausgedrückten klingenden Größen, nach einander, natürlich und ganz ungezwungener Weise, sonsten aber keinen einzigen Klang, recht rein von sich hören, welcher nicht seinen Grund in einem der unterliegenden Töne, als Consonanz, habe: zum Beweise, daß dieses nicht nur die natürlichste sondern auch die allein natürliche Folge der einzelnen auf einander folgenden Töne ist.

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