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Christoph Nichelmann: „Die Melodie“ (1755) – Kapitel 48

[Ediert von Christoph Hust und Clarissa Thiem. Vorläufige Fassung – nicht endredigiert, nicht kommentiert; die Notenbeispiele folgen.]

[115] Das XLVIII. Capitel.

Die Monodie unterbricht zum öftern die, aus dem guten Verhalt der unterschiedlichen Theile, zu dem Ganzen einer Zusammensetzung, entstehende Einheit der Uebereinstimmung.

Eine Monodie, oder ein blos für sich, und ohne Absicht auf die zugleich mit gedachte Harmonie bestimmter Gesang, braucht eben deswegen, weil er Monodie ist, nicht ganz und gar verwerflich zu seyn; vielmehr kann ein solcher nach dem Maaße, da der Verfertiger desselben, sich durch polyodische Uebungen dazu vorbereitet hat, noch immer die geschickte Verbindung der einzelen Töne hintereinander, an und vor sich, und ohne Absicht auf irgend ein Vorbild, die Richtigkeit in Ansehung der Gesetze des Metri, und dergleichen mehr, vor sich haben: Ich gebe es so gar zu, daß die Melodien einiger Setzer, vielleicht im geringeren Grade schön seyn würden, wenn ihnen nicht die in dieser Absicht geschickten Monodien einiger andern Setzer Gelegenheit verschaffet hätten, sich mit den unterschiedlichen Wirkungen der mannigfaltigen Figuren und der verschiedene[n] Arten des einfachen harmonischen Zieraths bekannt zu machen, und sie eben dadurch in Stand gesetzet hätten, dieselbe, in Kraft der vielfachen Harmonie, zu nutzen, und folglich mit desto mehrerer Sicherheit, nach einem gewissen Zweck zu richten. Allein es ist doch allemal gewiß, daß, so lange ein Setzer nicht [116] den Plan und den Entwurf zu dem, was in einer jeglichen Zusammensezung überhaupt nothwendig ist, polyodisch veranstaltet, das ist, so lange er nicht die Ein- und Abtheilung der Cadenzen und Ruhestellen, derselben Anzahl, und ihre Entfernung untereinander, das Verhältniß derselben gegen dem Haupt-Tone, mit einem Worte: Alle zu einer Zusammensetzung nöthige einzelne Theile, im Ganzen übersiehet, und polyodisch, oder mittelst des Fortganges der vielfachen Harmonie veranstaltet, daß er zwar schöne einzelne Stückgen oder Theile, niemals aber ein vollkommenes Ganze, worinnen alles zusammen hängt, und mit dem gesuchten Zweck überein stimmet, hervor bringen werde.

Wir hören die unterschiedlichen Theile eines musikalischen Stückes, nur nach und nach; um also die Fehler, so in Ansehung des guten Verhältnisses, und der Beziehung in einem Stücke sind, wahrzunehmen, so muß man auf das, was man schon gehöret hat, acht haben, und gleichsam wieder zurück kehren, um diejenigen Gegenstände gewahr zu werden, worinnen keine Verhältniß oder Proportion ist. Z. E. Ob die Ausweichungen in den Neben-Tönen gnugsam vorbereitet sind, oder ob sie der Natur der Verbindung der Töne zuwider, uns zu plötzlich über den Hals kommen; ob die Verbindungen, oder die Folgen der verschiedenen Harmonien von einer solchen Beschaffenheit sind, daß sie die Haupt-Wirckung befördern, und nicht eine der andern entgegen ist.

Es wird der Haupt-Ton in den ersten Tacten des Num. 45. befindlichen Exempels, wie ich bereits oben angemerckt habe, schon dergestalt bestätiget, daß der Sinn keinen längeren Aufenthalt darinnen leidet, ohne dadurch ermüdet zu werden. Der Verfasser würde auch dieses gar leicht gewahr geworden seyn, wenn er nicht von der vorausgesetzten einfachen Harmonie, oder dem Gesange eingenommen, den beständigen Fortgang darüber aus der Acht gelassen hätte. Allein, es ist nicht nur der Mangel der Mannigfaltigkeit der Harmonie, welcher sich alhier empfinden macht. Die verschiedene Uebereinstimmungen haben auch in der Folge, weder unter sich, noch auch gegen den Haupt-Ton, diejenige Beziehung, und dasjenige Verhältniß, die sie dem Verstande der Worte nach haben solten. Laßt uns dieses mit mehreren zeigen.

Wie in der Musik, so wie in allen übrigen Künsten, nach dem ersten Schritte, weiter nichts willkürlich ist, sondern wie alles Kettenweise verbunden, und aneinander hangen muß; also muß nicht nur immer der folgende Fortgang der Harmonie, in dem vorhergehenden gegründet seyn, sondern ein jeder Fortgang muß auch neben dem, zu der Absicht des Ganzen, [117] dasjenige beytragen, und zu dem Endzwecke dienen, worzu er nach Erfoderung der Umstände zu dienen bestimmet ist. Diesemnach muß die Fortschreitung der Harmonie in solchen Intervallen geschehen, welche einen guten Verhalt, sowohl untereinander, als mit der Haupt-Absicht haben, und die Bewegung, und die Art des Ganges muß dergestalt unterhalten seyn, daß auch darinnen eine angenehme Ordnung und Abwechselung hervor leuchte. Es geschiehet aber in der vorhabenden Zusammensezung, die Fortschreitung der Harmonie, oder des Grund-Tones, weder in solchen Intervallen, noch weniger aber, wird die alhier nöthige Bewegung derselben auf eine sich vor die Natur der Sache schickende Bewegung unterhalten.

Die unterschiedlichen Zusammenklänge einer Zusammenstimmung, müssen zwar nothwendiger Weise allemal eine Beziehung auf den Haupt-Ton haben; Allein diese Verbindung wird noch größer, wenn der Sinn der Worte einer Rede, welcher eine Musik bequemet wird, eine gewisse Beziehung der verschiedenen Zusammenstimmungen verlangt. Nun ist der folgende Satz der Worte:

Und meine Küße niemals zehle.

von dem vorhergegangenen, nur durch das Verbindungs-Wörtgen und voneinander getrennet und unterschieden. Die allhier erfolgte Abänderung der Harmonie in die Quinte des Tones, ist also schon viel zu weit, für Worte, die so genau miteinander verbunden sind. Noch weiter aber gehet die in dem neunten Tact erfolgte Modulation in der Quinte von der Quinte des Tones ab, bey aneinander hangenden Sätzen, in dem Wort-Vortrage. Ferner so leidet bey dem sechsten Tact die angefangene, und bey dem Anfange dieser Zusammensetzung zum Grunde gelegte Art des Ganges und der Bewegung der Harmonie zu sehr, als daß man den Mangel derselben nicht empfinden solte. Der Verfasser hebt gleich Anfangs, so wie es die Natur der Worte erfodert, die Bewegung in Vierteln an, und fähret damit, bis zu dem Anfange des dritten Tacts, fort. Der dritte, vierte und fünfte Tact, unterbrechen zwar, wegen der nöthigen Abwechselung, diesen Gang in Viertheilen, indem die Harmonie in denselben bald in ganzen, bald in halben Tacten einher gehet. Die herrschende Bewegung ist aber nichts destoweniger in Vierteilen fest gesetzet. Der sechste Tact, welcher also in Ansehung der Musik bis zum neunten die Antwort auf den Antrag enthält, muß folglich eine dem Anfange gemäße Art des Ganges und der Bewegung haben, wo nicht das Ebenmaaß in denselben unterbrochen, und der Gang höckericht und ungleich werden soll. Uebrigens thut die in den 13ten Tact angebrachte Modulation in das D. moll eine vollkommene gute Wir[118]kung, und druckt sowohl den Sinn der ganzen Redens-Art, so wie den Sinn des Wortes: alt, insbesondere sehr wohl aus, weil in der That dieser Gang in dieser Verbindung der Töne etwas altväterisches an sich hat, und der Componist sich dennoch desselben, auf eine geschickte Art, zu seiner Absicht zu bedienen, gewust hat.

Nachdem der Verfasser den Gesang mittelst der Cadenz in die Quinte des Tones zur Ruhe geführet hat, so hebt er nunmehro nach Anleitung der Worte, den einzelnen Gesang in der Quinte des gegenwärtigen Haupt-Tones an, und führet denselben, vermittelst einer kleinen Modulation der Ober- und Unter-Quinte des Haupt-Tones, wiederum dahin zurück, um diese der zum Grunde gelegten Harmonie so nahe angehende Zusammenstimmung, nicht so bald zu verlassen.

Ohngeachtet nun die allhier gewehlten tiefen Töne des Gesanges, die Ernsthaftigkeit des alten Philets in der Ertheilung des Unterrichts, gantz natürlich schildern, so darf ich dennoch allhier nicht unangemercket lassen, daß sich der Setzer bey dem eingeschobenen Satze: lehrt er mich, zu lange aufhält, und dadurch den Sinn der Worte nicht nur verdunckelt, sondern auch den Gesang demselben ganz unähnlich macht. Der Poet saget, ohngeachtet des eingeschalteten Satzes, weiter nichts, als daß die Alten auch zu küssen pflegten. Der Fortgang der Harmonie aber, welcher bey diesem eingeschaltenen Satze in die Unter-Quinte des dermaligen Haupt-Tones erfolget, noch mehr aber der von der Haupt-Bewegung gar zu weit abgehende Gang und Bewegung desselben, scheinet uns, besonders wegen der in der Singe-Stimme befindlichen Pause, noch mehr mit einem gew[i]ssen Nachdruck sagen zu wollen, als ob der alte Philet seinem Jünger die Alten kennen oder verstehen lehren wolte, welches doch die Meynung des Poeten ganz und gar nicht ist. Die Mannigfaltigkeit der Harmonie ist demnach alhier dem Sinne der Worte so wenig gemäs, daß sie vielmehr denselben gar zuwider ist.

Der hierauf folgende Fortgang der Harmonie in die Septime des vorhergegangenen Tones, mit der größeren Terzie, unterscheidet die folgende Einwendung: Allein von dem vorhergehenden Satze um desto mehr, und ist folglich desto sinnreicher. Das was ich dabey zu erinnern finde, betrift nur den Gang der Harmonie in der Folge, als welcher hier abermals zu sehr unterbrochen ist, und zu wenig Leben und Bewegung hat, und mithin weder die natürliche Activität der Seele, noch auch die festgesetzte Art der Bewegung unterhält. Eben dieser Mangel der Bewegung ist es, welcher sich, nach meinem Bedüncken, in den folgenden übrigen Sätzen bis auf die Modulation in das G moll, welche sonsten mit guter Beurtheilungs-Kraft an[119]gebracht ist, und denjenigen Grad der anstrengenden Kraft hat, der alhier in Absicht auf den Charakter des Alten erfodert wird, empfinden macht. Denn so nimmt der Gesang, besonders bey dem Anfang der Worte: das Laster war noch nicht bey ihnen eingerissen: aus Mangel einer gnugsam unterhaltenen Bewegung nicht minder, als aus Mangel, einer den Umständen gnugsam gemäß gewehlten Zusammenstimmung, mehr eine zur Zärtlichkeit, als zur Ernsthaftigkeit bewegende Kraft an, und wird folglich hierdurch der Natur der besondern Absicht zuwider.

Was bey der folgenden zweymaligen Wiederholung des obigen Satzes anzumercken ist, dieses ist schon aus den obigen klar. Meine Erinnerung gehet bey dem folgenden Satz, welcher mit den Worten anhebt: Wann mein entzückter Geist &c. nur abermals auf die übelbeobachtete Gleichheit der Bewegung des Fortganges der Harmonie, und des aus derselben entstehenden Metri in den verschiedenen Theilen der Zusammensetzung. Denn so hat das allhier angefangene neue Metrum von dreyen Tacten, nicht nur keine Beziehung auf keinen der vorhergehenden Theile, es verleitet nicht nur zu neuen Absätzen und Abschnitten, welche dem fliessenden Sinne der Worte Einhalt thun, sondern es schiebet und verzögert auch den vollkommenen Verstand der Worte zu lange auf, und dehnet denselben weitläuftiger aus, als es nicht die Beschaffenheit der Worte erfodert. Nachdem der Setzer den Sinn dieser Periode, mittelst einer abermaligen Cadenz, in die Quinte des Haupt-Tones, zu Ende gebracht hat, so führet er die Modulation in die übergelegene Terzie desselben. Ob nun wohl der Poet, bey dem Anfang dieser Strophe, eben dasselbe Sylben-Maaß beybehalten hat, so ändert dennoch der Componist sein Metrum, indem er, da selbiges vorhero aus fünf Tacten bestund, es nunmehro in vier Tacten zusammen ziehet. Es sey nun, daß derselbe dieses, ohne dies schon lange Lied, durch diese Aenderung, in etwas verkürzen wollen, oder, daß er dadurch mehr Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit in der Bewegung der Harmonie habe einführen wollen; so ist dennoch gewiß, daß die so nöthige Gleichheit der verschiedenen Theile zu einem Ganzen, dadurch sehr unterbrochen, die abgemessene Bewegung der Harmonie uneben und höckerigt, mithin das ganze Stücke schwer zu singen, und noch schwerer zu behalten wird. Die herrschende Bewegung der Harmonie in Vierteilen, wird bey den Worten: und giebt mir einen Kuß &c. nicht nur auf das neue unterbrochen, sondern diese Ungleichheit wird eben dadurch in der Folge noch mehr vermehret, weil das Metrum, durch eine abermalige Verzögerung der harmonischen Abwechslungen, verändert und unterbrochen wird. Zugeschweigen, daß der Gesang [120] nur aus Noth oder Zwang, bey dem Worte: empfangen: in eben diejenigen Chorden geführet wird, worinnen er bey dem vorhergehenden Worte: Wangen: ruhete, weil eine verdrüßliche Monotonie daher entstehet, und der nothwendige Zusammenhang der folgenden Worte mit den vorhergehenden dadurch getrennet wird.

Ich komme anjetzt auf den letzten Absatz dieser Zusammensetzung, und merke nur noch an, daß, wie der Componist bey dem Eintritt in die Ober-Terzie des Haupt-Tones, das Anfangs zum Grunde gelegte Metrum verändert hat, er eben dieses Zahlmaaß bey dem Ausgang, und nach der Cadenz, in dem D. moll, um eine Gleichförmigkeit zu beobachten, alhier wieder anbringet. Nachdem er dieses aus vier Tacten bestehende Genus auf zween Tacte zurück gebracht hat, so beschließet er endlich mit eben demselben. Ob nun wohl auf diese Weise die Gleichheit der Bewegung der einzelnen Töne gegeneinander beobachtet wird, so ist dennoch nicht zu leugnen, daß die Gleichheit der Bewegung des Ganzen, deren Zusammensetzung durch diese oftmalige Ordnung des Zahl-Maaßes gar sehr leidet, und daß, wenn auch schon die mannigfaltigen Zusammenklänge also ausgesucht, und mit einander verbunden wären, daß sie diejenige Empfindung des Wohl- oder Misfallens, welche, nach den besonderen Umständen, erreget werden soll, auf das genaueste zu erregen geschickt wären, dennoch dieser einzige Uebelstand ihnen schon diejenige Kraft, auf das Gemüthe zu würcken, entziehen würde, die sie sonsten haben könten.

Aber es ist nicht allein die Ungleichheit in der Bewegung, und in dem abgemessenen Gange der Harmonie, welche verhindert, daß diese Zusammensetzung nicht die gesuchte Wirkung thut. Es fehlet derselben neben dem auch an einem richtigen Verhalt der verschiedenen Zusammenstimmungen, in soferne sie als so viel untergeordnete Accorde, von einer zum Grunde gelegten Hauptzusammenstimmung anzusehen, und von selbiger, als so viel Theile von ihrem Ganzen, abhängen.

So viel als auch Nebenabtheilungen in einer Zusammensetzung angetroffen werden, so sind sie dennoch nur immer in Beziehung auf den Haupt-Ton zu betrachten.

Eine Zusammensetzung bestehe also aus viel oder wenig Theilen, so muß dennoch der Haupt-Ton unter derselben dergestalt hervor ragen, und besonders vor dem gänzlichen Schluße, also bestätiget seyn, daß man ohne Zweydeutigkeit fühle, aus welchem Tone das Lied gehe, und am Ende nichts mehr zu verlangen übrig bleibe. Betrachtet man nun dieses Stück aus [121] diesem Gesichts-Punct von Seiten des befestigten Grund-Tones, so erhellet eine neue, und vielleicht eine größere, als alle die schon erwehnte Unvollkommenheiten, daraus hervor. Denn so kömmt der gänzliche Schluß desselben, uns so geschwind über den Hals, daß das Gehör den Haupt-Ton anzunehmen, schlechterdings nicht gnugsam vorbereitet wird; zugeschweigen, daß derselbe selbst also befestiget seyn solte, daß man ihn als Haupt-Ton darinnen erkennen, und von den übrigen Neben-Tönen, während der ganzen Zusammensetzung, unterscheiden könnte. Man kann dieses auch aus der unproportionirlichen Anzahl der Tacte, so der Setzer alhier denen verschiedenen Cadenzen dieser Zusammensetzung gegeben hat, sehen. Denn, so hat die erste Cadenz in das F. funfzehen Tacte. Von dieser Cadenz, bis zu dem Schluß G moll sind sieben und zwanzig Tacte. Der dritte Schluß in das F. enthält acht und zwanzig Tacte. Von diesem, bis zu der vierten Cadenz, ins D moll sind ein und zwanzig Tacte. Die Rückkehr aber von dieser letzteren Cadenz in den Haupt-Ton, beträget nur dreyzehen Tacte, und nimmt folglich eine[n] geringeren Raum der Zeit und Dauer, als eine Cadenz in einem Neben-Tone, ein.

Ich habe dieses, nicht destoweniger vor vielen anderen schätzbare Singe-Stück nur aus dieser Ursache so weitläuftig beurtheilen wollen, damit desto deutlicher daraus erhelle, daß selbst die Fehler der Meister nur gröstentheils aus dieser Quelle fließen, weil sie bey Verfertigung einer mannigfaltigen Harmonie, den beständigen Fortgang der Harmonie aus den Augen setzen, und sich hingegen blos den willkürlichen Führungen der Harmonie, ohne Absicht auf die zusammengesetzte, überlassen.

Weil es indessen unnütze wäre, Fehler und Unvollkommenheiten anzumerken, wo man nicht zugleich auf die Mittel bedacht ist, dieselben zu heben, so nehme ich mir die Kühnheit, durch ein Beyspiel zu zeigen, wie man nicht nur dem Mangel der Gleichheit in der Bewegung der fortschreitenden Harmonie sowohl, als dem Mangel der Erweiterung dieses Stückes, in Absicht auf die Befestigung des Haupt-Tones am Ende, hätte entgehen, und das Stück dadurch weniger unvollkommen machen können. Das Stück überhaupt hat die Form eines Rondeau, und da der Verfasser den Anfangs-Satz in der Mitte desselben, nach der zweyten Cadenz wieder anbringet, so leget er sich hiermit selbst das Gesetz auf, auch wiederum mit demselben zu beschließen, weil sonsten die Gleichförmigkeit in den Haupt-Theilen dadurch zerrissen wird.

Ich habe mir es angelegen seyn lassen, dieser Idee zu folgen, und da die Worte nicht zureichen, um den Haupt-Ton nach diesem Plane zu befesti[122]gen, so habe ich mich durch eine Wiederholung zu retten gesucht. Ich habe die eigentlichen Grund-Töne, oder die Harmonie in ihrer wahren Gestalt, zugleich mit dazu gesetzt, damit sowohl die Zeit und Dauer, als die Art der Bewegung und der Fortschreitung derselben, desto deutlicher erhellen möge, Num. 77.

Man wird vielleicht hierwider einwenden, daß die Worte der Neära durch die Wiederholung des Gesanges etwas von ihrer Kraft verliehren, und kein epigrammatischer Stachel mehrmahl gesaget werden müsse: und man hat Recht. Allein, ich fand den Plan, und den Entwurf der Zusammensetzung bereits vor mir, und ich habe demselben folgen wollen, weil ich es hier blos mit der Melodie, wie sie schon gesetzt ist, zu thun habe.

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